2010 Kurz gesagt: War nix mit Mille Miglia !!!

Tja, also ich bin ja bereit für die große Mille Miglia-Sause, aber der liebe Gott hat es sich wohl zur Aufgabe gemacht, zu messen, wieviel Liter Wasser so ein Lomäxchen fasst und zwar so lange das Auge im Internetwetterbericht reicht, sprich die komplette nächste Woche. Aber wir sind ja flexibel und da in Südfrankreich Sonnenschein angesagt ist, sausen wir eben unter Schmerzen (so Dauerregen prickelt ganz schön im Gesicht) Richtung Monaco und Sonne.
Ok, wir haben verpennt, das Formel 1, Filmfestspiele in Cannes und Promitreff in St.Tropez ist. Aber was heißt das schon..... Es heißt, teure bis gar keine Hotels, Staus, Krach, Hitze, kurz geile Atmosphäre und wir mittendrin!!!




Vergiss die Mille Miglia, wenn du auf der Formel 1 Strecke durch Monte Carlo donnern kannst. Und ich sag euch: ICH GEBE ALLES! Und komm mir ein bisschen wie so ein kleiner Red Bull vor. Genauso jubeln auch die vielen Japanese und machen ganz viel Knipsi-knipsi.

So, mein Selbstwertgefühl ist wieder mal auf dem Höhepunkt, lasst uns weiter fahren. Nächster Stop ist dann Nizza. Nachts um 23.30 Uhr haben wir dann endlich ein Hotel, was bezahlbar ist, buchen für 3 Nächte. FEHLER!!! Kaum haben wir einen Parkplatz, stehen 2 Polizeipolizisten neben mir. Unser Französisch ist so perfekt, dass wir verstehen, dass ich morgen entweder wech oder kaputt bin, wenn ich in diesem Viertel stehen bleibe. Prima, ick freu mir.... Alle öffentlichen Parkhäuser sind natürlich dicht, aber Chris ist ja (Marion meint, ich soll "manchmal" dazu schreiben) also manchmal ein pfiffiges Kerlchen und stellt sich mit mir in Warteposition vor eine private Tiefgarage. Prombt kommt nach ein paar Minuten auch 'ne Frau angedüst und steckt's Kärtche rein. Huch, wusste gar nicht, dass Herr Spycher so ein Tempo entwickeln kann... Gang rein, ran an die Stoßstange der Lady und schwups, schon bin ich mit drin, ohne die Schranke auf den Deckel zu kriegen. Das war ja fast einfach, aber...... wie komm ich denn morgen wieder raus???
Ausgeschlafen und bereit zu jeder Schandtat klaut Chris einfach ein Kärtche aus dem Automaten, als morgens einer raus will. Gut, dass Marion sich geweigert hat, mitzukommen, dass hätte voll Mecker gegeben. Bleiben wollen wir unter diesen kriminellen Gegebenheiten lieber nicht, der nette Hotelier bietet an, den nicht unbeträchtlichen Betrag für die anderen 2 Nächte zurück zu überweisen. Okay, war dann im Nachhinein 'ne superteure Nacht in Nizza!!!



Nächster Stopp ist Cannes. Aber wer hat denn dort Bescheid gegeben, dass wir anreisen? Na egal, das Feuerwerk zu unserem Empfang ist jedenfalls geil und nebenbei sind auch noch Filmfestspiele. Wir hauen uns eine tolle Nacht um die Ohren, Chris kurvt natürlich wieder dickfällig über den "Promiboulevard". Tja, ich öffne halt so manches Türchen. Nach einer kurzen Schlafpause geht's weiter an der traumhaften Côte d'Azur entlang Richtung St.Tropez.


Mh, da sind wir also in St.Tropez, dann lass mal sehen. Als erstes kommt uns dieses komische Paar aus dem Fernsehen entgegen. Er verdient die Knete und sie gibt's voll aus, aber mit so 'nem Mist haben die sogar 'ne eigene Personelityshow. Die Promis hier interessieren uns aber weniger, wir stehen mehr auf die Spielzeuge der Schönen und Reichen. Und davon gibt's hier echt genug. Zu den Riva-Booten fehlt Marion eigentlich nur noch George Clooney zum Glücklichsein. Scheeerz!!! Später fahr ich dann kurz bei unserer Privatyacht vorbei und frag, was es zum Lunch gibt.....

So gegen 17.00 Uhr entschließen wir uns dann doch, ohne Lunch abzureisen! Zu unserem Hotel sind's schlappe 43 km, also ist so gegen 19.00 Uhr frisch geföhnt Dinner angesagt. War der Plan..... den ca. 27348 andere St.Tropez-Touris auch haben. Nach 1,5 Std. und geschätzten 4,7 km entdecken wir eine "Umfahrung" durch die Berge. Nehmen wir!!! Endlich können wir mal ein bisschen Strecke machen...... bis die Strasse gesperrt ist. MERDE!!! Kurz gesagt... nach 1 Std. stehen wir wieder an der Umfahrungskreuzung. Ok, man reiht sich artig wieder ein und übt sich in Geduld. Dieses gehört nicht zu Marion's Stärken, außerdem übertönt ihr Magenknurren mittlerweile meinen Motor. Von vorn kommt ein alter 911-er und wer sitzt drinne? Michael Schumacher! Und was macht er? Grinst mich an und..... Daumen hoch!!! Wow, cool, geil.... ich liebe Staus!
Gegen 23.00 Uhr sind wir dann auch schon ratz-fatz am Hotel. Küche ist dicht, aber man hat Erbarmen und brutzelt meiner Crew noch schnell was. Alles ist gut... Im Ticino ist Sonne angesagt und am nächsten Morgen geht's sofort Richtung Switzera.




Wieder daheme gönnen wir uns einen Tag Fahrpause. Ausgeschlafen, mit Kuchen auf dem Schoß und voll motiviert geht's am nächsten Tag los zum Familientreffen im Wallis. Wer kennt das Centovalli? Nee? Ok, ich erklär's kurz. Wunderschönes Tal, Superkurven, Wasserfälle und die Centovalli-Bahn. Könnt ihr kombinieren? Bahn, Schienen, Zug..... das heißt: SCHRANKEN. Ich mach's kurz. Schrankenlichter fangen an zu blinken, viel Zeit, Golf vor uns beschleunigt, Lomax beschleunigt, weil ja viel Zeit, Golf meint, oh, Schiet, wird vielleicht doch knapp, Lomax meint, schaffen wir locker, Golf macht Vollbremsung, Lomax hat keinen Bremskraftverstärker, bumms, Lomax kann um die Ecke gucken!!!
Kuchen ist matsche, Marion heult, Chris flucht, Besuch wird abgesagt. Im Golf ist das Töchterchen gefahren und Mama nebenan hat gesagt: "Brems, dass schaffst du nicht mehr!" Ich hasse gehorsame Töchter!!! Marion hat schon sooo oft gesagt, sie möchte gern mal Centovalli-Bähnle fahren... nun hat sie den Salat. Nach 2 Std. sind die Beiden wieder da, Anhänger im Schlepptau und bringen mich sicher nach Hause.





Und dann kriegen die Schweizer Bergziegen echt was zu staunen: Spycher beim Wandern! Das ist ein Anblick, für den Marion sonst immer lange sabbeln muss, aber wegen meines Ausfalls hat er nicht so viel Gegenargumente und so werden den restlichen Urlaub die Gipfel erstürmt. Die drei Weibsen finden's toll und irgendwann kommt Chris dann auch immer oben an, er ist ja zäh.



Wieder in Letter warten schon meine Ersatzteile auf mich, hat der Spycher natürlich alle schon aus dem Urlaub geordert. Und wisst ihr was? Der Schreck war zwar groß, aber das Basteln macht uns allen mal wieder richtig Spaß. Darum bin ich auch schneller als gedacht wieder startklar.



So im Nachhinein war's ja auch eigentlich gar nicht so viel: 1 neuer Schwingarm, 1 Spurstange, mein Lämpsche hat 'ne kleine Delle, aber von hinten, sieht man nicht und noch so'n paar Kleinigkeiten hinbiegen.




Das schweiz-spanische Spezialistenteam macht dann die erste Probefahrt und heckt natürlich gleich wieder was aus. Ok, ich hab 'ne Menge Schrappen im Laufe der Kilometer abgekriegt, aber muss ich deswegen gleich wieder komplett zerlegt werden? Ja, muss ich. Chris möchte endlich seinen Traum von einer mattschwarzen Rennsemmel verwirklichen.
Also gut, in dieser Chaotensippe darf man sich eh über nix wundern. Innerhalb 3 Stunden bin ich wieder in alle Einzelteile zerlegt. Auftrag ausschreiben, Lackierer finden, mich verladen und abholen lassen geht flott. Irgendwie ist mir etwas unwohl in der Motorgrube...

Und zu Recht!!! Nach 1 Woche darf ich wieder nach Hause und ich glaub, ich seh zum ersten Mal Chris seine Äuglein feucht schimmern. Leider nicht vor Glück! Da steh ich nun, ich armer Tropf: Hochglanzlackiert, ringsrum Nasen gelaufen, auf den Metallteilen Sprühnebel, da nicht sauber abgeklebt und die Spanngurte an meinen Speichenrädern so festgezurrt, dass sie "leicht" verzogen sind. Kennt ihr die wahnsinnig hohe Hemmschwelle eines Schweizers? Sie war in diesem Moment erreicht, genauer gesagt, massiv überschritten.
Ok, wieder eine Woche Trennungsschmerz, komplettes Abschleifen, komplettes Aufarbeiten, MATTE Lackierung, neue Anlieferung!!!
Gut, diesmal sind die Nasen nur noch auf der Haube, aber ich darf wenigstens schon mal ohne sie zu Hause bleiben. Nur noch eine kurze Woche und ich bin wieder komplett. Spycher knirscht zwar mit den Zähnen wegen Überlackierung der Nieten an der Haube, aber ehrlich mal, ich seh schon verdammt geil aus!




Erinnert ihr euch noch an meine Bauphase? Marion war so reizend, mein Kühlergrill als "Hannibal Lector Maske" zu bezeichnen. Meine Umlackierung ist somit der perfekte Zeitpunkt für sie, mir 'ne neue Schnauze zu verpassen und ihr werdet's nicht glauben, es sieht echt besser aus.
Den Rest des Jahres verbringe ich mit schweren Depressionen in Deutschland, die feinen Herrschaften haben sich nämlich ein Motorboot gekauft und nehmen das lieber mit an den Lago. Prima, macht nur weiter so..... machen sie aber nicht. Die merken ganz schnell, mit wem sie richtig Spaß haben können und verscheuern die Konkurenz wieder. Wollte ich aber auch meinen, so'n büschen weniger Zeit- und Pflegeaufwand ist das ja wohl ganz klar mit mir. Das die Menschen manchmal einfach nicht nachdenken...